Vintage Schmuck mit weihnachtlichen Motiven – Kitsch oder Kult?

 

 

 

Der Wunsch, sich zu den Festtagen herauszuputzen ist vermutlich so alt wie das Weihnachtsfest selbst und so verwundert es nicht, dass dieser Wunsch auch im Schmuckdesign aufgegriffen wurde. Dennoch findet man erst seit etwa dem viktorianischen Zeitalter wirklich weihnachtliche Motive. Häufig wurde dieser Schmuck selbst gefertigt aus getrockneten Blüten und z.B. Stechpalmenblättern. Diese Tradition hielt sich bis in die 30er/40er Jahre des letzten Jahrhunderts. In Handarbeitsmagazinen waren immer wieder vor Weihnachten Anleitungen zu finden, wie man sich festlichen Schmuck aus Filz, Glasperlen, Pailletten oder Naturmaterialien wie kleinen Zapfen fertigen kann. Im Zweiten Weltkrieg wurden diese handgefertigten Broschen, wie auch schon industriell gefertigte Exemplare dem Liebsten an die Front geschickt, um ihm ein frohes Fest zu wünschen und an zu Hause zu erinnern.

 

In den Vierziger Jahren tauchten kleine Broschen in Baumform mit einem weißen, leicht glitzernden Lack, der an Schnee erinnern sollte in den günstigen Kaufhäusern und 5-Cent Shops auf. Ab etwa den 50er Jahren beschäftigten sich schließlich die großen Modeschmuckhersteller mit diesem wachsenden Markt und die Motive wurden entsprechend der Zeit und den Möglichkeiten opulenter und vielfältiger. Die industrielle Massenproduktion ermöglichte Gussformen, die mit Strass und anderen Materialien wie Glas-Cabochons und Emaille verziert werden konnten.

 

 

 

Das berühmteste Motiv ist natürlich der Weihnachtsbaum selbst, den es wirklich in allen Variationen gibt. Ganz klassisch sind Baumbroschen aus Gablonz mit funkelndem Strass in weiß, rot, tannengrün, oder auch ganz bunt, die auch heute noch dort hergestellt werden.

 

Auch die Firmen Eisenberg und Weiss stellten Baumbroschen über und über mit Strass verziert her. Diese Stücke sind mittlerweile recht hochpreisig und es tauchen auch Fälschungen auf – also Vorsicht.

 

Wunderschön und sehr besonders sind die Weihnachtsbaum-Broschen von Stanley Hagler. Er arbeitete für Miriam Haskell bevor er sich selbstständig machte und diesen Einfluss sieht man seinen handgefertigten Stücken an. Sie sind über und über mit winzigen Glasperlchen verziert, enthalten Glasblüten oder- blätter in herrlichen Farben und größere Perlen verziert mit Strass. Es lohnt sich im Netz danach zu suchen und in den wunderschönen Entwürfen zu schwelgen – vor allem weil sie mittlerweile schwer zu bekommen und entsprechend teuer sind. Findet man doch mal ein Exemplar zu einem vernünftigen Preis: unbedingt zuschlagen!  

 

 

 

Für den kleineren Geldbeutel empfehle ich die herrlich detailreichen Broschen von Monet, Art oder Mylu. Diese Hersteller fertigten hübsche Baumbroschen, meist in dem klassischen Mattgold, das Anfang der 60er Jahre populär war, verziert mit buntem Strass oder auch Emaille.

 

 

 

Und schließlich kann man sogar fündig werden, wenn man nicht Vintage sondern Neuware kaufen möchte, denn Weihnachtsschmuck wird immer noch hergestellt. Swarovski bringt z.B. jedes Jahr eine Brosche in Christbaumform heraus. Das Design orientiert sich am berühmten Christbaum vor dem Rockefeller Center in New York und die Stücke sind limitiert und signiert. Sie eignen sich toll zum Sammeln und sind sehr preisstabil, wenn auch nicht ganz günstig.

 

In den USA ist der Markt sicher um ein vielfaches größer, aber auch hierzulande lässt sich das ein oder andere schöne Stück finden.

 

 

 

Unglaublich, aber wahr: Es gibt Sammler, die sich ausschließlich auf Weihnachtsbaumbroschen spezialisiert haben und sogar zahlreiche Bücher nur zu diesem Thema. In den USA ist es nicht ungewöhnlich, dass man ab Thanksgiving bis zum Weihnachtsfest jeden Tag ein anderes Stück aus seiner Sammlung trägt.

 

 

 

Der geneigte Leser denkt nun vielleicht: schon ein bisschen verrückt das Ganze...

 

 

 

Aber: Christbäume bilden eigentlich nur den Anfang – sozusagen die Spitze des Eisbergs.

 

 

 

Denn als der weihnachtliche Schmuck salonfähig wurde, folgten schnell andere Motive.

 

Es gibt Schmuckstücke in Kranzform, Zuckerstangen, Schlittschuhe, Schneemänner, Engel, Mistelzweige, Christbaumkugeln, Geschenkpäckchen, Glocken, weihnachtlich dekorierte Straßenlaternen, Eiskristalle, Kerzen, Santa Claus – nur als Kopf oder in kompletter Montur inklusive Schlitten, aber auch Schlitten ohne Santa Claus, Elfen, Strümpfe – am Kamin hängend oder frei schwingend, Nikolausmützen, Stiefel mit oder ohne Füllung und nicht zu vergessen natürlich: Rudolph, das berühmte Rentier mit der roten Nase.

 

 

 

Was ich in meinem letzten Artikel zur Brosche bereits gesagt habe, gilt beim Weihnachtsschmuck fast schon in verschärfter Form: mit einer (Weihnachts-)Brosche kann man nahezu alles ausdrücken: vom Status (klassische Christbäume aus opulentestem Strass), zum Humor (ich habe schon in Weihnachtsbäumen sitzende Pudel gesehen) bis hin zum Patriotismus (Rudolph oder Santa Claus als uramerikanische Motive). Der Phantasie und Experimentierfreude sind kaum Grenzen gesetzt.

 

 

 

Ich möchte also Sie, liebe Leserin einladen: lassen Sie Sich doch von dieser tollen Vielfalt inspirieren, es findet sich ganz bestimmt, das passende Motiv für jeden Geschmack. Spielen Sie, lassen Sie Ihre kitschige Seite raus. Wenn irgendwann Kitsch erlaubt ist, dann doch zum Weihnachtsfest oder?

 

Tragen Sie Ihre Errungenschaften mit Stolz, lassen Sie Sich von Kollegen darauf ansprechen und wenn Sie dann an Heiligabend leider nicht alle Stücke auf einmal tragen können, weil die Sammlung doch zu groß geworden ist, dann tragen Sie Ihr Lieblingsstück und hängen Sie die Restlichen einfach an hübschen Bändern in der Wohnung auf, dekorieren Sie die Festtafel oder sogar den Christbaum damit.

 

 

 

Und ich hoffe, den Herren muss ich nicht sagen, dass glänzende Geschenke die Augen der Herzdame sicher zum Strahlen bringen, oder?

 

 

 

So wünsche ich Ihnen ein herrlich kitschiges Fest und einen funkelnden Start ins neue Jahr!!!