Vintage Schmuck richtig reinigen, pflegen, reparieren und aufbewahren...

 

Heute konnte ich mal wieder ein wunderschönes, großes Paket Vintage Schmuck aus einem amerikanischen Nachlaß öffnen. Einer der wichtigsten Schritte nach dem Sichten und Sortieren ist immer das Reinigen der Schmuckstücke, damit sie hygienisch einwandfrei für ihre neuen Besitzer sind und natürlich auch damit sie in neuem Glanz erstrahlen.

Und weil es immer eine so helle Freude ist, die Stücke wieder "wie neu" zu sehen, möchte ich Sie, liebe Damen, dazu ermutigen, sich auch mal Ihrer Vintage Schätze ganz im Sinne eines Frühjahrsputzes anzunehmen...

Also: ran ans Schmuckkästchen, breiten sie Ihre Schätze vor sich aus und genießen Sie erst einmal den Anblick - schließlich soll es auch ein bisschen Wellness für Sie sein. Anschließend wird sortiert: Welches Stück muss dringend gereinigt werden, wo fehlen Steine, wo ist vielleicht sogar etwas abgebrochen, und welches ist gar nicht mehr zu retten oder gefällt einfach nicht mehr?

 

 

Und los geht's mit dem Reinigen...

 

Auch wenn es sich immer wieder großer Beliebtheit erfreut, rate ich bei Vintage Schmuck vom Ultraschall-Bad ab. Lose Steine werden geradezu aus der Fassung herausgerüttelt, Emaille bricht leicht, für Kunstperlen ist es Gift, da es den Perlglanz-Überzug ablösen kann. Die einzigen Stücke, die ins Ultraschallgerät dürfen sind Stücke ohne Besatz oder Echtschmuck.

 

Immer wieder hört man, dass Schmuck im Besteckkasten der Spülmaschine in einem Stoffsäckchen gut gereinigt werden kann. Ich halte es da wie mit dem Ultraschallbad: maximal Echtschmuck mit dieser Methode reinigen. Generell sind aber so „harte Bandagen“ meist nicht notwendig.

 

 

 

Oft reicht schon ein feuchtes Tuch oder ein Wattestäbchen. Manchmal muss man aber bei starker, klebriger Verschmutzung, z.B. von Haarspray oder Make up mit lauwarmem Wasser und einer sehr weichen Zahnbürste ran, zur Not kann zusätzlich etwas Spülmittel oder auch Alkohol verwendet werden. Achtung: Niemals essig- oder säurehaltige Reiniger verwenden! Sie können die Oberfläche angreifen, Steine stumpf machen oder sogar Grünspan begünstigen.

Auch so ein Mythos, der sich hartnäckig hält ist Zahnpasta als Zaubermittel. Die heutigen Pasten enthalten häufig Schleifpartikel, die Gift sind für empfindliche Oberflächen wie Glas, Emaille oder auch weichen Kunststoff. Sie wollen doch eine saubere Oberfläche und keine matte, oder?

 

 

 

Und Oma's Trick mit Alufolie und Salz gilt übrigens nur für Silberbesteck nicht für alten Schmuck!

 

 

Manchmal muss man dennoch mit härteren Mitteln ran. Starke Verschmutzungen wie Zb durch Haarspray (bitte eigentlich immer vor dem Anlegen des Schmucks verwenden!) oder Make Up oder in meinem Fall sehr häufig durch jahrzehntelanges nicht optimales Lagern bekommt man mit einem Wattestäbchen nicht weg...

Es gibt dennoch einen kleinen Geheimtipp, den ich selbst sehr häufig verwende - nicht zuletzt wegen der hygienischen Eigenschaften: Gebissreiniger.

Er hilft toll bei sehr starker Verschmutzung und Schmutz an schlecht zugänglichen Stellen.

So geht's: ein Gebissreiniger-Tab in ein Glas geben, Schmuckstück vorsichtig darauf platzieren und mit lauwarmem Wasser auffüllen. Wirken lassen, anschließend mit lauwarmem Wasser gut durchspülen und vorsichtig trocknen. Sie sollten Sich aber bewusst sein, dass sogar Gebissreiniger empfindliche Oberflächen angreifen und lose Steine ausspülen kann.

 

Solche Schmuckstücke kann man sehr gut mit Gebissreiniger sauber bekommen...

 

Bei dieser Vintage Bosche sind die Fassungen der Steine hinten offen und die Steine nicht mit Folie überzogen sondern durchsichtig. Selbst mit der Zahnbürste ist es mühsam in alle Ritzen zu kommen. Softplastik Ohrclips sind oft stark verschmutzt, da der weiche Kunststoff den Schmutz geradezu anzieht. Leider sind sie sehr empflindlich - auch hier leistet der Gebissreiniger gute Dienste. Genauso wie bei clusterförmig angeordneten Perlen. Hier dringt er auch an die Unterseite vor.

 

Das Ergebnis kann sich doch sehen lassen, oder?

 

 

 

Übrigens: Ein Silberputztuch leistet bei angelaufenen Stücken oft sehr gute Dienste, auch wenn diese nicht aus Echtsilber sind. Das ist auf jeden Fall einen Versuch wert.

 

 

Bei allen Methoden mit Feuchtigkeit gilt: Bitte im Anschluss immer sehr gut trocknen lassen und nicht sofort wegpacken!

 

Dazu kann man gerade sehr gut das herrliche Wetter und die Sonnenstrahlen nutzen. Im Winter tut es auch das Fensterbrett über der Heizung oder wenn es schnell gehen soll ein Fön.

 

In der Trocknungszeit kann man schonmal das herrliche Funkeln genießen...

Oh Schreck, ein Stein ist weg! Was tun?

 

 

Strass oder auch Glasperlen kann man sehr gut ersetzen, es finden sich fast alle Größen, Farben und Formen im Internet oder im Bastelladen ums Eck. Für kleine Steine nehme ich am liebsten den Strasskleber „Strass 244“ von Hasulith. Bei größeren, schwereren Steinen oder Kunststoff-Cabochons rate ich zu Zwei-Komponenten-Kleber. Mit ihm kann man sogar mal größere Reparaturen wie abgebrochene Clips wagen.

 

 

 

Und zum Schluss: zurück ins Schatzkästchen!

 

 

Weil Sie nun so fleißig gereinigt, repariert und sortiert haben: gönnen Sie Sich doch ein paar hübsche, bunte Stoff- oder Organzasäckchen oder zumindest schönes Seidenpapier und verpacken Sie Ihre Schätze einzeln. Gerade Strass- und Emailleschmuck wird Ihnen so eine Sonderbehandlung danken. Aber auch Softplastik und alle älteren Kunststoffe wie Zelluloid sind sehr empfindlich, sie nehmen Staub und Schmutz leicht an und verfärben sich im schlimmsten Fall sogar. Auch direktes Sonnenlicht ist für Kunststoffe nicht gut und so fühlen sie sich einzeln verpackt ebenfalls am wohlsten.

 

 

 

Die schönsten Stücke können Sie natürlich auch in Sichtweite draußen lassen, dann müssen Sie zwar ab und zu entstaubt werden, aber Sie wissen ja jetzt wie es geht. ;-)