Ein Hoch auf ein absolutes Mulittalent - die Brosche

 

Meine Damen, Sie besitzen sicher schon die ein oder andere Brosche oder haben zumindest schon eine in Oma's Schmuckkästchen entdeckt. Doch leider ist die Brosche heutzutage ein äußerst – sagen wir mal – unpopuläres Schmuckstück. Das war nicht immer so...

 

 

Die Geschichte der Brosche lässt sich bis in die Bronzezeit zurückverfolgen wo sie als „Fibula/Fibel“ eine bedeutenden Rolle spielte, sie hielt nämlich schlicht die Kleidung zusammen, gab es doch noch keine Knöpfe oder ähnliches.

 

Andere Bezeichnungen ergeben sich ebenfalls aus der Funktion, so wurde im Deutschen das Wort „Fürspann“ benutzt und später, ab etwa dem 17. Jahrhundert das Wort „Agraffe“, entlehnt aus dem französischen Wort „agrafe“ für „Haken“. Eine Agraffe ist meist zweiteilig, wobei ein Teil auch häufig fest am Kleidungsstück angebracht war und das andere zum Schließen diente oder sogar beide Teile festgenäht waren und mittels Haken verschlossen wurden.

 

Erst um 1850 herum taucht ihn Deutschland der Begriff „Brosche“ auf, wiederum aus dem Französischen Wort „broche“ für „Nadel“.

 

Es ist dem französischen Hochadel im 18. Jahrhundert zu verdanken, dass die Brosche mit ihren schier unendlichen Einsatzmöglichkeiten zu einem der beliebtesten Schmuckstücke überhaupt avancierte. Funkelnd verziert lenkte sie den Blick des Betrachters wohin auch immer man ihn haben wollte: auf Taille, Dekolleté, Frisur usw. und auch die Herren standen den Damen an überbordendem Zierrat in nichts nach. Dieser „Trend“ erreichte mit dem ersten Modeschmuck auch den bürgerlichen Haushalt und war schließlich bis in die Sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts aus dem gut sortierten Schmuckkästchen nicht mehr wegzudenken.

 

 

Eine besondere Form der Brosche kommt in den 20er Jahren in Mode. Mit dem endgültigen „Tod“ des Korsetts und der Hinwendung zu fließenden, teils kunstvoll drapierten Entwürfen aus leichtem Stoff wurde ein Schmuckstück nötig, das die Stoffbahnen zu bändigen vermochte und den Damen den nötigen Freiraum zum wilden Tanzen bot – der Kleiderclip war geboren.

 

In der Formenvielfalt standen Kleiderclips dem restlichen Modeschmuck in nichts nach. Von klassisch edwardianischen Entwürfen in silbernem Metall mit Strass oder Markasiten bis hin zu  geschnitztem Bakelit in den herrlichsten Farben war alles erhältlich. Häufig wurden sie auch paarweise getragen, z.B. jeweils am Träger eines Kleides.

 

 

Diese Form schien Coro inspiriert zu haben, denn 1931 lies sich die Manufaktur eine besondere Broschenform patentieren – die sogenannten Duettes, die heute in Sammlerkreisen Höchstpreise erzielen. Es waren zwei Clips, die sowohl einzeln als mit der patentierten Mechanik – eine Art „Unterbau“ in Broschenform  - auch zusammen getragen werden konnten. Die Motive sind meist floral, häufig sind zwei gegenläufig gespiegelte Blüten, aber auch Tiermotive wie Vögel, Frösche, Fische oder Seepferdchen kommen vor. Sie sind äußerst opulent gearbeitet – reich verziert mit Strass und farbig emailliert.

 

Als in den 30er und 40er Jahren die Kostümmode ihren Anfang nahm, waren Broschen von den Revers der Damen einfach nicht mehr wegzudenken und es gab die herrlichsten und ausgefallensten Entwürfe. Mit einer Brosche konnte man nahezu alles ausdrücken – vom Status (opulentester Strass), zum Humor (witzige Tierfiguren wie Hunde oder Insekten) bis hin zum Patriotismus (Entwürfe in Nationalfarben).

 

 

Bis in die Sechziger Jahre hinein waren Broschen beinahe die beliebtesten Schmuckstücke. Danach gerieten sie in Vergessenheit bzw. wurden wohl von der Jugend der Hippiebewegung schlicht als „altbacken“ empfunden. Fortan trug wohl nur noch die Queen  Broschen – dies aber – so muss man sagen mit historischer Konsequenz.

 

 

Normalerweise gebe ich ja gern Tipps, in welche Stücke es sich zu investieren lohnt, aber bei der wunderbaren Vielfalt an Broschen, die es gibt, möchte ich der Trägerin selbst überlassen, was am besten zu ihr passt. Lassen Sie mich lieber kurz erwähnen, wo sie überall Verwendung finden kann...

 

 

Die Vintage Brosche ist wahrlich ein kreatives Multitalent - hier einige Tipps und Inspirationen:

 

 

Haben sie ein Kleid mit aufregendem Rückenausschnitt? Bringen Sie dort noch eine funkelnde Brosche an!

 

Am oberen Saum eines Rockes – mittig als Ersatz für eine Gürtelschließe oder einfach seitlich getragen, ist eine Brosche ebenfalls ein schöner Hingucker.

 

Sie haben einen schlichten Hut, ein Barett oder einen Turban? Die freuen sich ebenfalls über eine kleine Zier!

 

Eine Brosche kann auch als Haarschmuck getragen werden: einfach in die Hochsteckfrisur einbringen.

 

Sie haben eine langweilige, einfarbige Clutch oder auch ein Strohkörbchen? Eine schöne Brosche macht sie schnell zum Unikat.

 

An einer Kette findet eine Brosche ebenfalls zu neuen Ehren. Experimentieren Sie mit mehrreihigen, farbigen Perlenketten und farblich passenden oder kontrastierenden Broschen.

 

Und wenn sie schon eine stattliche Sammlung haben, wird daraus in einem schönen Rahmen mit Stoffbespannung ein tolles Deko-Objekt für Ihre Wohnung.

 

 

So wird die Brosche wieder zu dem was sie einst war:  dem Tüpfelchen auf dem I.

 

 

Ich hoffe sehr, ich konnte mal wieder Ihre Lust auf wunderbaren, alten Schmuck wecken und Sie ein wenig inspirieren und verführen, der Brosche zu neuem Aufschwung zu verhelfen. Auf unserem Pinterest-Board gibt es weitere Trageinspiration...