Über Strass-Schmuck

Wann meine leise vor sich hin schlummernde Leidenschaft für Funkelndes in exzessive Passion umschlug, kann ich relativ genau datieren: es war im Jahr 2010 als ich die große Ehre hatte ein einjähriges Vollzeit-Praktikum in einer Goldschmiede zu machen. Monsieur Chevillotte ist eine Koryphäe im Bereich Edelsteine und seine Sammlung exquisit. Ich verbrachte Wochen damit, Diamanten zu sortieren, Rubine, Saphire, Smaragde zu wiegen und Turmaline in den schönsten Farben des Regenbogens für Schmuckstücke auszuwählen. Herren mit klopfenden Herzen und funkelnden Augen kauften Verlobungsringe bei uns und Edelsteinhändler aus aller Welt kamen in den kleinen Laden um ihre Schätze vor unseren staunenden Augen auszubreiten.

 

Was für ein Fest für die Sinne und doch unerreichbar teuer.

 

Wie dankbar bin ich den Herren Georg Friedrich Strass und Daniel Swarovski, dass sie sich dieses kleinen „Hindernisses“ annahmen.

 

 

Um 1730 entwickelte Georg Friedrich Strass ein Glas, das sich durch seine Brillanz und guten Schleifeigenschaften zu Diamantimitationen verarbeiten ließ. Der unstillbare Hunger des Pariser Adels nach immer neuen, aufwendigen Schmuckstücken konnte endlich gedeckt werden und Monsieur Geroges Frédéric Strass erlangte so große Berühmtheit, dass der Name dieses Glases bis heute blieb – Strass.

 

Die erste Hochzeit der Imitationen war mit der französischen Revolution jedoch abrupt beendet und  so bedurfte es einer weiteren Entwicklung, die ab 1900 ein fulminantes 

Comeback der funkelnden Glassteine einleitete.

 

 

Daniel Swarovski wurde in Gablonz geboren – der Stadt in Böhmen, die sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts aufschwang, Glaslieferant für die ganze Welt zu werden. Doch während in Gablonz meist in kleinen Verbänden und in Heimarbeit mit einfachsten Mitteln Glas zur Schmuckproduktion hergestellt wurde, schwebte Herrn Swarovski eine größere Dimension vor.

 

So entwickelte er mechanische Schleifmaschinen, die endlich die industrielle Massenproduktion von hochwertigsten Schmucksteinen ermöglichten.

1895 zog er nach Tirol und gründete dort die Manufaktur, die bis heute besteht. Mit seiner Methode der Bedampfung, die zunächst die aufwendige Folierung der Rückseite per Hand ablöste und später Oberflächen wie den berühmten Aurora Borrealis Glanz schuf, setzte er Maßstäbe.

 

 

Nun musste nur noch das Begehren der Damen neu geweckt werden. Zu Hilfe kam Coco Chanel, die bereits in den 20er Jahren unechten Schmuck entwarf und „Modeschmuck“ schlicht zum neuen Must-Have erklärte. Weitere Designer wie Elsa Schiaparelli folgten und lösten einen Boom aus, der durch die Filmindustrie im Hollywood der Fünfziger Jahre nochmals befeuert wurde. Der Rest ist Geschichte – der Siegeszug war auch durch eine kurzfristige Materialknappheit im Zweiten Weltkrieg nicht aufzuhalten.

 

Tipps zum Sammeln, Aufbewahren, Pflegen

Nach dem kleinen Exkurs in die Geschichte des Strassschmucks dürfen sich die Damen nun ganz ehrlich fragen: konnten sie schon ein mehr oder minder ausgeprägtes Elster-Syndrom bei sich diagnostizieren? Keine Sorge, es ist keine Krankheit, es ist eine Passion. Deshalb gebe ich Ihnen noch ein paar Tipps an die Hand, um diese Leidenschaft gebührend zu pflegen.

 

 

 

 

Strass-Schmuck sammeln

 

Eine meiner Lieblingsmarken war von Anfang an Coro , ich mag die opulenten, floralen Entwürfe und die Preise sind noch erschwinglich. Ebenfalls noch günstig, aber etwas seltener zu finden sind Stücke von  ART und BSK. Lisner hat sehr exquisiten Strassschmuck in der Optik klassischer Diamantcolliers und – armbänder geschaffen.  Von Trifari sind die sogenannten Jelly Bellies – Tierbroschen mit einem „Bauch“ aus einem Lucite-cabochon ein sehr beliebtes Sammelgebiet. Als Designer sehr klassischer Strassbroschen und Ohrringe in hochwertiger Verarbeitung schätze ich Eisenberg und Weiss – letztere mit einer Besonderheit – den sogenannten „Black Diamond“ Stücken aus grauem Strass.

 

Ein signiertes Stück von Chanel, Dior oder Schiaparelli zu ergattern ist natürlich Traum eines jeden Sammlers, doch sie sind selten und exorbitant teuer geworden.

 

Generell gilt, meine Damen, verlassen Sie Sich einfach auf Ihr Bauchgefühl. Sie sind schließlich Jägerin aus Passion! Man kann hochwertigen Strassschmuck von billigem wirklich sehr leicht unterscheiden.  Die Steine sollten alle noch fest in ihrer Fassung sitzen und nicht „blind“ sein, das Schmuckstück selbst von „schwerer“ Qualität mit guter Oberflächenveredelung.  Wenn Ihnen ein Stück hochwertig scheint und vor allem gefällt, schlagen Sie zu – auch wenn kein großer Name auf der Rückseite steht. In unserem Shop dürften Sie fündig werden.

 

Strass-Schmuck Reparieren

 

Strasssteine sind relativ leicht zu ersetzen. Swarovski hat nie Farben aus dem Programm genommen, es kamen nur welche hinzu. So sollte sich der Stein in der richtigen Farbe und Größe noch finden lassen. Es gibt sogar alte Restbestände zu kaufen, für diejenigen, die ganz originalgetreu bleiben wollen. Benutzen Sie für kleine Steine einen speziellen Strasskleber und für  große, schwere Steine  einen Zwei-Komponenten-Kleber. Wenn ein Stein aus einer Krappenfassung gefallen ist, sollten Sie eher einen Fachmann/eine Fachfrau beauftragen.

 

 

Strass-Schmuck reinigen

 

 Strassschmuck ist sehr empfindlich und sollte nur mit einer weichen Zahnbürste und etwas Wasser mit einem Tropfen Spülmittel gereinigt werden. Niemals essig- oder säurehaltige Reiniger verwenden! Bei ganz hartnäckigen Verschmutzungen empfehle ich, den Schmuck in warmes Wasser mit einem Gebißreinigertab zu legen, aber Sie sollten Sich bewusst sein, dass dieser empfindliche Oberflächen angreifen und Steine ausspülen kann. Bitte im Anschluß immer sehr gut trocknen, z.B. mit einem weichen Tuch oder dem Fön auf kalter Stufe.

 

 

Strass-Schmuck Pflegen

 

Das A und O bei Strassschmuck ist die Pflege und Lagerung. Oberstes Gebot: das Geschmeide wird immer erst nach dem Styling angelegt! Haarspray, Parfums und Bodylotions sind Gift für den empfindlichen Schmuck. Ich empfehle die Aufbewahrung in einzelnen Beuteln z.B. aus Organza, da lose Steine so nicht verloren gehen und verschiedene Stücke nicht aneinander schlagen. Seien Sie vorsichtig mit billigen Schmuckkästchen aus Fernost. Ihre Lacke dampfen oft säurehaltig aus so dass  kupferhaltige Oberflächen Grünspan entwickeln können.

 

 

Warum der ganze Funkelkram?

 

Mit meiner nun schon länger andauernden Passion habe ich mich häufig gefragt, was dieses Funkeln für uns so anziehend macht. Ich glaube, es ist der Rest Geheimnis, der in ihm liegt. Ein Funkeln kann man nicht einfangen, es besteht in genau dem Moment, wo ein besonderes Licht auf den Stein fällt. Wie eine Seifenblase oder einen Regenbogen kann man es nicht konservieren, nur in diesem Augenblick genießen. Es ist etwas Magisches, etwas Unbestimmtes in unserer vielleicht oft zu konkreten Welt.

Liebe Herren, das Funkeln lässt sich übrigens ganz einfach übertragen - in die Augen Ihrer Angebeteten. Probieren Sie es aus – ob mit Diamanten oder Strass bleibt ganz Ihnen überlassen.